Rose Tattoo: Angry Management

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Rose Tattoo: Angry Management

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Beim Reboot von Rose Tattoo fing Anderson bei null an. Nur Slide-Gitarrist Dai Pritchard, Mitglied seit 2007, blieb an Bord. Und ein weiterer Name stand von Beginn an fest, der einstige AC/DC-Bassist Mark Evans. „In den An­­fangstagen waren Rose Tattoo für AC/DC die Band, die sie sich am liebsten ansahen. So bekamen wir unseren Vertrag bei Al­­berts, sie empfahlen uns. Malcolm und Angus [Young] und vor allem Bon [Scott] jammten damals alle mit uns. Mark hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, bei uns einsteigen zu wollen, und endlich standen die Sterne günstig dafür.“

Ein weiterer Musiker, der als australischer Rockadel bezeichnet werden kann, ist Gitarrist Bob Spencer, der sowohl bei den Skyhooks als auch bei The Angels gespielt hat. Doch da der Stammschlagzeuger Paul DeMarco wegen unerlaubten Besitzes von Schusswaffen und der Mitgliedschaft an einem Waffenschmuggelring im Gefängnis sitzt, wurde das letzte Puzzlestück zum Dilemma für Anderson.

„Ich versprach Marco, dass ich die Band nicht ohne ihn wiederbeleben würde, aber tat es dann trotzdem. Er versteht das. Wenn er 2020 aus dem Knast kommt, wird ihn die Band mit offenen Armen empfangen – sofern er seine Drogensucht unter Kontrolle bekommen hat. Vielleicht kommt er schon dieses Jahr auf Bewährung raus. Machen wir uns nichts vor, mit seiner kriminellen Vergangenheit steht er in dieser Band sicher nicht allein da.“ Für die Europatermine sprang letztes Jahr Jackie Barnes, Sohn der Aussie-Legende Jimmy Barnes, am Schlagzeug ein.

Angeblich sollen dieses Jahr nicht nur weitere Konzerte in Europa folgen, sondern sogar ein neues Studioalbum von Rose Tattoo. „Nun, warum nicht?“, sagt Anderson mit einem Lächeln. „Guy schreibt, Bob schreibt, und wie sich herausstellt, schreibt auch Mark. Er ist nicht sehr produktiv, aber hin und wieder fällt ihm ein Song ein. Das nächste Problem ist, ob Marco ein Vi­­sum bekommen kann, um im Ausland auf Tour zu gehen. Wir drücken ihm die Daumen.“

Nur sehr wenige Bands mussten den Tod von fünf Mitgliedern wegstecken, und noch weniger, bei denen jeweils eine andere Krebsart die Todesursache war. Anderson gibt ein reumütiges Kichern von sich bei der Feststellung, Rose Tattoo seien die Band, die sich weigere, zu sterben. „Yeah“, antwortet er schließlich. „Pete Wells sprach manchmal darüber, dass wir etwas erschaffen hatten, das für immer leben wird, und das machte ihn sehr glücklich. Die Leute eines Besseren zu belehren, die sagten, wir könnten nicht ohne Peter Wells existieren, ist etwas, das ich genieße – und wie.“

Auf die Frage, ob er das in Erinnerung der fünf Gefallenen tue, nickt Anderson und sagt ernst: „Yeah. Bei einem Gig vor ein paar Tagen begegnete ich diesem Ty­­pen, der 35 Jahre gewartet hatte, um diese Band zu sehen. Das hat mich wirklich gerührt.“

Doch genug von Rose Tattoo. Reden wir über Angry Anderson. Hält er sich im reifen Alter von 71 Jahren immer noch für einen harten Kerl? Es gibt keine Zweifel an der Antwort, als er mich mit einem stählernen Blick fixiert und sagt: „Yup. Man fragt mich immer noch, ob ich noch wütend bin“, fügt er mit ruhiger Autorität hinzu. „Auch wenn ich es nach außen hin nicht zeige, brodle ich im Innern.“

Und was würde dich zum Ausflippen bringen? „Ich würde jemanden töten, der meine Familie bedroht“, sagt er und verzieht das Gesicht, als er von einem Erlebnis erzählt, bei dem er „ekelhafte Bemerkungen“ einer Bande Jugendlicher über seine Tochter in einem Fast-Food-Restaurant gehört hatte. Als die Sache eskalierte und keine der beiden Seiten nachgeben wollte, „wusste ich, dass es nicht gut enden würde. Plötzlich war mein altes Ich wieder da. Schließlich zogen sie aber davon.“

Was macht dich sonst noch gewalttätig? „Oh, die Liste ist lang“, sagt er lachend. „Etwa, wenn jemand in mein Haus einbräche. Und versuche ja nicht, mir meine Waffen wegzunehmen. Sie versuchen es auf hinterhältige Weise, aber unsere Rechte auf Versammlungs- und Redefreiheit werden immer weiter eingeschränkt. Die Schulen werden immer mehr zu Orten der Indok­trinierung statt der Erziehung, wo den Kindern beigebracht wird, was sie zu denken haben, nicht wie. Das sind Dinge, die ich von innen bekämpfen wollte.“

Es gibt nichts zu beschönigen: Anderson hat in seinem Leben einige schlimme Dinge getan, auch wenn sein dysfunktionales Wesen als Erwachsener zum Teil auf sexuellen, körperlichen und seelischen Missbrauch in seiner Kindheit und sein Aufwachsen bei einer überforderten Mutter zurückzuführen ist. „Mein Vater hat mich andauernd erniedrigt und ge­­schlagen, und ich war das Opfer der Pädophilie eines weiteren Familienmitglieds“, sagt er ehrlich. „Zusätzlich dazu, dass ich so klein bin, war das eine Menge, mit dem ich fertigwerden musste.“

Kann der letzte Überlebende von Rose Tattoo die Hand aufs Herz legen und aufrichtig von sich behaupten, ein guter Mensch zu sein? „Fuck yeah“, schießt er sofort zurück. „Mit Anfang 30 fühlte ich mich wie der Sohn meines Vaters. Dieser Typ war verrückt und tat einige seltsame, furchtbare Dinge. Aber in den 70er-Jahren wurde mir klar, dass ich ein sehr, sehr guter Mensch bin. Selbst Vater zu werden, veränderte mich am meisten. Heute glaube ich an gute Sachen und ich helfe anderen, wenn ich kann. Ich bin vielleicht pleite, aber ich bin sehr, sehr glücklich darüber, wie sich alles ergeben hat.“

1 Kommentar

  1. Das sind einfach Typen die den Weg des realen Lebens ohne Kompromisse gehen, bis zum Schluss.
    Das ist für mich der wahre Rock & Roll der wahre Blues, kompromisslos und ohne Verklärung der realen Dinge. Gut dass es noch solche musikalischen Wegbegleiter gibt denn in Zeiten wie diese sind solche Typen absolut notwendig meiner Meinung nach. Rose Tattoo mit Angry Anderson und AC/DC sind für mich die ehrlichsten Typen im Rock-Business. Wenn man noch ein kleines Stück Ehrlichkeit schätzt dann findet man das meiner Meinung nach bei Typen wie Angry Anderson. Leider leben wir in Ass-Hole-Zeiten lassen es zu dass Arschlöcher auf diesem Planten das Sagen haben. Ich wünschte mir mehr Typen wie Angry Anderson die in den Macht-Zirkeln kräftig mit / Aufmischen würden. Die Welt wäre eine andere vielleicht bessere.

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