Janis Joplin: Kleine Stadt, große Träume und der kosmische Blues

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Janis Joplin: Kleine Stadt, große Träume und der kosmische Blues

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Sie wankt, reckt die Fäuste, lässt die Hüfte kreisen, schüttelt ihr dichtes, nasses Haar und ihr bleiches Gesicht strahlt wie in Ekstase. Eine Performance, die völlige Kontrolle und Verletzlichkeit kombiniert. Und genau das macht sie so greifbar, so kraftvoll. Das ist der Unterschied zwischen einer technisch guten Sängerin und einer, die ihr Innerstes offenbart.

„Als sie nach dem Monterey Pop Festival so richtig bekannt wurde, erkannte sie wohl, welche Möglichkeiten sich ihr eröffneten“, so Sam Andrew. „Und die waren riesig.“ Nach diesem Konzert schickte sie ein paar der guten Kritiken und einen Brief nach Hause, in dem sie u.a. schrieb: „Diese Band ist jetzt mein ganzes Leben. Ich stehe da wirklich voll dahinter und es gefällt mir. Wollte euch nur diese Ausschnitte schicken. Seit Monterey ist all das passiert. War in den Zeitungen in Port Arthur irgendwas darüber? Wenn ja, dann schickt es mir bitte. Vielleicht werde ich eines Tages wirklich ein Star. Es ist komisch. Je näher es rückt und je wahrscheinlicher es wird, desto weniger Bedeutung hat es, ein Star zu sein.“

Der Rest der Geschichte ist natürlich die klassische Story von Aufstieg und Niedergang im Zeitraffer: der Plattenvertrag mit Columbia Records und Manager Albert Grossman, CHEAP THRILLS, Gold-Auszeichungen, Welttourneen, Fernsehauftritte, Janis’ Solokarriere, Woodstock, PEARL. Und dann, am 4. Oktober 1970, die tödliche Heroin-Überdosis. Sie war 27. Aber war es ein unbeabsichtigter Tod?

„Ich glaube nicht, dass Janis ein Leben führte, das unvermeidlich auf einen solchen Tod zusteuerte“, sagt Laura. „Ich denke, sie war dabei, clean zu werden, und sie wurde stärker. Aber irgendwie bekam sie dieses Heroin, das nicht normal war. Und nur ein kleiner Stich in die Haut, um sich zu entspannen, brachte sie um. Das war alles andere als eine typische Überdosis. Irgendjemand gab ihr diese Droge und ging dann. Janis ging runter in die Lobby, unterhielt sich mit dem Rezeptionisten, holte sich ein bisschen Wechselgeld, kaufte sich Zigaretten, ging in ihr Zimmer zurück, setzte sich auf ihr Bett und fiel tot um, mit dem Wechselgeld immer noch in der Hand. Der zuständige Gerichtsmediziner vernichtete das übrige Heroin, nachdem die Polizei es sichergestellt hatte. Als man es noch einmal überprüfen wollte, war es schon weg. Das ist zumindest das, was ich gehört habe. Die Obrigkeit hatte Angst vor Drogen und wollte, dass daraus eine abschreckende Geschichte wird.“

46 Jahre später ist Janis Joplins wahres Vermächtnis noch immer präsent. Es ist nicht zwangsläufig das tragische Drogenopfer, an das man sich erinnert, sondern ihre großartige Musik. Einen Beitrag dazu leistet die hervorragende, kürzlich auf DVD erschienene Dokumentation „Janis: Little Girl Blue“. Auf die Frage, wie die Karriere ihrer Schwester wohl verlaufen wäre, wenn sie überlebt hätte, zögert Laura zunächst und sagt dann: „Das, woran ich wirklich denke, sind all die Thanksgiving-Essen mit ihr, die ich verpasst habe. Ich glaube, sie hätte eine wundervolle Karriere gehabt und würde wahrscheinlich immer noch singen. Aber da war soviel Leben, das nie gelebt wurde. Sie lernte meine Tochter nie kennen. Wir sprachen nicht über die Bücher, die wir gelesen haben, und gingen nie gemeinsam Shoppen. Das ist meine Schwester. Die Leute erinnern sich an die Dinge, die in das Bild passen, das sie von Künstlern haben. Daran ist nichts Falsches. Doch diese Legende er­­zählt von einer Frau, die das unglaubliche Talent hatte, emotional und kraftvoll zu kommunizieren. Und sie hatte ein Drogenproblem. Aber manchmal gehen diese Dinge eben Hand und Hand miteinander.“

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