Black Keys

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The_Black_Keys 2011 @ John PeetsEin sonniger Freitag in Nashville. Black Keys-Sänger/Gitarrist Dan Auerbach sitzt in seinen Easy Eye Sound Studios und hat richtig miese Laune. Entweder, weil es um 11 Uhr morgens noch zu früh für ihn ist, weil er zwei Acts gleichzeitig produziert (The Growlers und Dr. John) oder weil er sich erneut mit einem riesigen Medieninteresse konfrontiert sieht – was der 32-Jährige so gar nicht mag. Dabei sind er und sein trommelnder Partner Patrick Carney seit anderthalb Jahren das neue große Ding der US-Rockszene, haben von ihrem sechsten Album BROTHERS über 700.000 Kopien umgesetzt, drei Grammys erhalten und füllen Hallen im 10.000er-Format. Was bei Dan vor allem eins auslöst – ein lautes Stöhnen. „Es ist nicht so, dass ich das nicht zu schätzen weiß, aber es ist schon ein komisches Gefühl. Einfach, weil sich so lange kein Schwein für uns interessiert hat und wir eigentlich auch nichts anderes machen als auf unseren früheren Platten. Trotzdem finden uns plötzlich alle toll. Also alle, denen wir jahrelang völlig egal waren.“

Denn während artverwandte Bands wie die White Stripes oder die Strokes das große Geld scheffelten und in Saus und Braus lebten, mussten Dan und Patrick ihr Hauptquartier in einem alten Kohlekraftwerk in Akron/Ohio aufschlagen (wo sie aufgewachsen sind) und sich mit dem schrottreifen Mischpult der kanadischen Posertruppe Loverboy („kein Wunder, dass ihre Songs so scheiße klangen“), dubiosen Indie-Labels sowie end-losen Trips im klapprigen Mini-Van rumärgern. Was sich nur mit geballtem Idealismus, hehrem DIY-Denken und gesteigertem musikalischen Purismus kompensieren ließ. Nämlich dem traditionellen Blues alter Südstaaten-Schule (Junior Kimbrough, Robert Johnson, Hound Dog Taylor, Son House, etc.), den das Duo mit rudimentärer E-Gitarre, minimalistischem Schlagzeug und verzerrtem Gesang intonierte. Nur um jetzt, nachdem sie mit BRO-THERS die Hälfte der globalen White Stripes-Fanbase übernommen haben, den nächsten Schritt auf der Evo-lutionsleiter zu nehmen: EL CAMINO, erneut produziert von Brian Burton aka Danger Mouse (Gnarls Barkley, Gorillaz), glänzt mit Anleihen bei Glam-Rock, Garagenkrach und 60s-Beat, weist ein breites Instrumentarium nebst großartiger Texte über Engel, Teufel und Schlampen auf bzw. erinnert an einen Bastard aus White Stripes, Queens Of The Stone Age und Led Zeppelin.

Einen Vergleich, den Auerbach nicht wirklich gerne hört. „Ich stand noch nie auf Jimmy Page“, poltert er los. „Einfach, weil ich weiß, woher er seine Riffs hat – und er diesen Wurzeln nie den nötigen Respekt gezollt hat. Außerdem empfinde ich lange Gitarrensoli als musikalisches Onanieren“, spricht‘s und muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass auch er in Stücken wie ›Gold On The Ceiling‹ oder ›Little Black Submarines‹ minutenlang die Saiten malträtiert. Und dabei – das ist noch wichtiger – nicht nur elektrifizierten Blues spielt, sondern (zum ersten Mal) richtig ungeniert drauflos rockt. Sprich: Das Knarzige, Schrullige und Verquere weicht richtig tollen Songs fernab vertrauter Schubladen. „Das ist nichts, was wir groß geplant hätten, sondern es ist einfach passiert“, so Auerbach. „Wir haben das Album während unserer letzten Amerika-Tour aufgenommen und versucht, die Euphorie, die wir da erlebt haben, in Songs umzusetzen. Die sind dann ein wenig schneller, härter und direkter geworden. Eben, weil wir all dieses Adrenalin in uns hatten. Und das musste raus.“

Zum Glück für alle Beteiligten. Die Fans, die seit BRO-THERS auf den Geschmack gekommen sind, erleben das beste Album, das Jack White nie geschrieben hat. Ihr Label kann schon mal den Schampus für die Platinverleihung kaltstellen, und die Band darf sich auch in Europa auf richtig große Hallen freuen – sofern Auerbach diese Gefühlsregung überhaupt kennt: „An solche Hallen haben wir uns längst gewöhnt“, gähnt er bei Er-wähnung der Hamburger Sporthalle und der Berliner Arena, die für Januar 2012 gebucht sind. „Ich meine, natürlich ist das eine Verbesserung zu den 400 Leuten, vor denen wir 2004 im Molotow gespielt haben, aber dafür sind die neuen Songs viel schwieriger, die Produktion ist aufwändiger, und wir verdienen kaum etwas daran.“ Vielleicht sollte er an einem Morgen wie diesem gar nicht erst zum Telefon greifen…

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