Review: Bob Dylan – THE ROLLING THUNDER REVUE

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Review: Bob Dylan – THE ROLLING THUNDER REVUE

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Bob Dylan 1975 live

Paint it white: Boxset mit fünf Shows von der berühmten Tour von 1975

Als Bob Dylan 1974 mit The Band nach fast einem Jahrzehnt ohne Tour wieder auf die Bühne stieg, waren die Erwartungen überlebensgroß. Der Fokus lag mehr auf seinem Comeback an sich als auf den eigentlichen Performances, wie Wesley Stace in den Liner Notes zum vorliegenden Boxset schreibt. „Ich fühlte mich nicht wohl und ich war nicht glücklich“, erinnert sich Dylan. „Ich wollte etwas anderes machen.“ Das Andere wurde die Rolling Thunder Revue: Ein „raggle-taggle Gypsy caravan“, eine bunte Show mit verschiedenen Künstlern, ein Wanderzirkus mit Dylan als Zirkusdirektor.

Das Ganze startete 1975 mit zunächst 31 Shows in 23 Städten (im Jahr darauf sollten weitere Konzerte folgen). Fünf Auftritte daraus wurden mit professionellem Equipment aufgezeichnet, alle fünf finden sich jetzt in der neuen ROLLING THUNDER Box auf 14 CDs. Allerdings nur die Dylan-Perfomances. Das ist erwähnenswert, weil neben dem Meister selbst befreundete Künstler eigene Sets spielten: natürlich Joan Baez, aber auch Bob Neuwirth, Ramblin’ Jack Elliott, Roger McGuinn und Joni Mitchell.

„Dylan war vom quecksilbrigen Rock der mittleren 60er ebenso weit weg wie vom ganz frühen Protest-Folk“

Dylan trat mit weiß geschminktem Gesicht auf, was oft als Anspielung auf den Pantomimen Baptiste im französischen Film „Les Enfants du Paradis“ (1945) gesehen wird. Der Songwriter selbst meinte, er wolle einfach, dass auch die Leute in der letzten Reihe seine Augen sehen können. Ganz egal, der Look ist zur Ikone geworden.

Was die Musik betrifft, war Dylan vom quecksilbrigen Rock der mittleren 60er ebenso weit weg wie vom ganz frühen Protest-Folk. Die neuen Versionen der Songs hatten etwas Folkloristisches, Geigen spielten, Folk mischte sich mit Blues, Rock und Gospel. Der damals 34-Jährige öffnete seinen Sound sogar für orientalische (›One More Cup Of Coffee‹) und Tex-Mex-Einflüsse (›Romance In Durango‹). Und er sang ausgelassen wie selten zuvor. Sein Album DESIRE war jeden Abend mit mehreren Stücken vertreten, ansonsten gehörten ›When I Paint My Masterpiece‹, ›It Ain’t Me, Babe‹, ›I Shall Be Released‹, ›Just Like A Woman‹ oder ›Knockin’ On Heaven’s Door‹ zu den Konstanten. Bei ›Blowin’ In The Wind‹ sang Joan Baez mit, zum abschließenden ›This Land Is Your Land‹ kamen nochmal alle Künstler auf die Bühne.

Es waren orgiastische Auftritte. Und auch die Soundqualität ist famos. Neben den eigentlichen Shows finden sich vier CDs mit teils noch etwas zerschossenen Probeaufnahmen und eine Bonus-Disc mit selten gespielten Liedern, auf der Dylan etwa Hank Williams’ ›Your Cheatin’ Heart‹ covert oder – überraschend – ›The Tracks Of My Tears‹ von Soulgenius Smokey Robinson. Dazu kommt ein Booklet mit Fotos von der Tour und den bereits erwähnten Liner-Notes von Autor und Musiker Wesley Stace. Wer Bewegtbilder will: Auf Netflix läuft die kongeniale gleichnamige Doku von Martin Scorsese.

9/10

Text: David Numberger

Bob Dylan
THE ROLLING THUNDER REVUE
COLUMBIA/SONY

Bob Dylan Rolling Thunder Revue Box

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