Review: Die Ärzte – HELL

-

Review: Die Ärzte – HELL

- Advertisment -

Liebesgrüße aus Berlin

So viel Originalität, in deren Schatzkammer ein Ausbund an Musikalität, Humor und Liebe auf Erkundung wartet, hat es seit dem Ableben von Frank Zappa nicht mehr gegeben. Apropos: Der Großmeister des vollendeten Individualismus wird dreieinhalb Mal zitiert auf dem neuen Album der Kreativschmiede aus Berlin. HELL nimmt sich mit gut einer Stunde feinster, optionaler und mehrwertiger Unterhaltung wie das Beste der Besten aus. Klassischer Endsiebziger New Wave, schwere Rockgitarren und feinste Grooves sorgen für reichlich hormonelle Momente. Gänzlich am Vektor Lustprinzip orientiert, sind Die Ärzte endlich wieder Die Ärzte: Unberechenbar, überraschend, anders aufregend, bar zeitgeistiger Artefakte. Zum allersten Mal eröffnet eine Rod-González-Komposition ein Album der wertvollen Drei, bevor Bela B und Farin Urlaub mit ganz großen lyrischen Momenten aufwarten. Und das frei von Gegenwartsschmerz. Ein Kunststück! Rückwärtsgewandte, Angstprediger, Punk-Begriffsverdreher und bigotte Moralhüter bekommen zwar deutlich ihr Fett weg. Dennoch klinken sich Die Ärzte nicht mit einer einzigen Silbe ins bescheuerte Die oder Wir, Schwarz und Weiß, Gut und Böse ein. Sie umgehen die Polarisierung, das Toxikum unserer Zeit, mit rockmusikgewordener Nonchalance. Und endlich erfährt auch jeder Politikverdrossene, warum man die AfD schlicht nicht ernst nehmen kann.

9 von 10 Punkten

Die Ärzte, HELL, HOT ACTION RECORDS/UNIVERSAL

Text: Michael Lösl

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Video der Woche: The Pretty Things mit ›Midnight To Six Man‹

Vor genau einem Jahr starb Sänger Phil May an Komplikationen nach einer Hüftoperation. Und fast genau 19 Jahre zuvor,...

In Memoriam: Phil May (9.11.1944–15.05.2020)

Mit seinen langen Haaren galt der Sänger der Pretty Things um 1964 als potenziell gefährlicher Bürgerschreck und – natürlich...

Plattensammler: Charlie Starr

Gitarrist und Sänger Charlie Starr leitet Blackberry Smoke aus Atlanta seit nunmehr zwei Jahrzehnten und hält die Fahne für...

Review: Van Morrison – LATEST RECORD PROJECT VOLUME 1

Fleißig, fleißig: 28 neue Songs vom „Originalquerdenker... Das also ist das jüngste Plattenprojekt von Van Morrison,und der Einfachheit halber heißt...
- Werbung -

The Struts: Cover von Queens ›We Will Rock You‹

The Struts wagen sich an ein Cover des Queen-Klassikers ›We Will Rock You‹. Frontmann Luke Spiller wird des Öfteren mit...

Billy Gibbons: Neues Video zu ›My Lucky Card‹

Unser brandneues Interview mit Billy Gibbons lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK. Wer schon einmal versucht hat,...

Pflichtlektüre

The Flying Eyes – LEAVE IT ALL BEHIND SESSIONS

Knietief in der Folk-Ursuppe. Obwohl es sich bei The Flying...

New York Dolls: Sylvain Sylvain ist tot

Sylvain Sylvain, Gitarrist der New York Dolls, ist im...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen