Rock-Mythen: Prince – Drama in Paisley Park

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Rock-Mythen: Prince – Drama in Paisley Park

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Prince Drama in Paisley ParkAls sich die Nachricht am 21. April 2016 verbreitete, reagierten Fans in aller Welt mit ungläubigem Entsetzen: Der gerade erst 57-jährige Prince war in seinem Anwesen Paisley Park bei Minneapolis tot aufgefunden worden – wie sich herausstellte, ein tragischer Unglücksfall.

Es war exakt um 13:13 Uhr an jenem 21. April 2016 in New York, als CBS News meldete: „Prince dead at 57“. In der Mitteilung hieß es, Jim Olsen, der Sheriff von Carver County, habe bestätigt, dass es um 9:43 Uhr einen Notruf aus den Paisley Park Studios in Chanhassen, Minnesota gegeben habe, demzufolge der berühmte Musiker leblos in einem Fahrstuhl des Gebäudes aufgefunden worden war. Nach vergeblichen Wiederbelebungsmaßnahmen sei Prince „um 10:07 Uhr für tot erklärt worden“.

Die Schockwelle, die diese Nachricht auslöste, war gewaltig, und noch am selben Tag ließ US-Präsident Ba­­rack Obama verlauten: „Mit Millionen Fans betrauern Michelle und ich den plötzlichen Tod von Prince. ‚Ein starker Geist überwindet Grenzen‘, hat er einmal gesagt – niemandes Geist war stärker, mutiger und kreativer.“ Und Popsängerin Katy Perry sprach stellvertretend für Fans und Kollegen, als sie twitterte: „Die Welt hat heute viel von ihrer Magie verloren.“ Am Nachmittag dieses regnerischen Tages versammelten sich Hunderte von Fans vor den Toren von Paisley Park und legten lilafarbene Blumen nieder. In der folgenden Nacht erstrahlten das New Yorker Empire State Building und der Pariser Eiffelturm in eben jener Farbe, die Prince mit „Purple Rain“ zu seiner eigenen gemacht hatte.

57 Jahre zuvor, am 7. Juni 1958, be­­ginnt dieses Leben in Minneapolis. Prince Rogers Nelson ist das erste ge­­meinsame Kind von Vater John, einem Hobbypianisten, und Mutter Mattie, einer Jazzsängerin, weitere fünf stammen aus anderen Ehen. 1960 bekommt Prince mit Tyka noch eine Schwester. Die Patchworkfamilie zerbricht, als Prince sieben Jahre alt ist. Er bleibt bei seiner Mutter, gerät aber regelmäßig in Streit mit dem neuen Stiefvater. Mit zwölf Jahren zieht er zurück zu seinem leiblichen Vater, der aber wirft ihn zwei Jahre später aus dem Haus. Fortan kommt Prince erst bei einer Tante, dann bei der Mutter eines Schulfreundes unter. Erst mit dem High-School-Abschluss endet seine Odyssee, 1976 bezieht er eine eigene Wohnung.

Nur ein Jahr später hat der hochbegabte Teenager erreicht, wofür andere ein Leben lang vergeblich schuften: Im Juni 1977 nimmt Warner Brothers das Talent aus der Provinz unter Vertrag, und spätestens als Prince 1980 sein drittes Album DIRTY MIND herausbringt, steht fest: Hier ist ein genialisches Original am Werk. Der „superstar in the making“ muss sich aber beim Publikum erst einmal durchsetzen. Am 11. Oktober 1981 im Memorial Coliseum, Los Angeles, eröffnet er eine Show für die Rolling Stones. Deren Fans buhen ihn von der Bühne. Ein Zwischenfall, der Prince nicht aufhalten wird. Schon zwei Jahre danach gelingt ihm mit seinem fünften Album 1999 und dem Singlehit ›Little Red Corvette‹ der Durchbruch in den Pop-Mainstream.

Bei allem Erfolg aber bleibt Prince eine umstrittene Figur. Gerne geht er über Geschmacksgrenzen hinaus, donnert sich auf, trägt Strapse, lässt sich auch mal splitternackt für ein Plattencover ablichten und mimt fortwährend den phallischen Großerotiker. Sein Song ›Darling Nik­ki‹ führt dazu, dass 1984 der „Explicit Lyrics“-Sticker in den USA eingeführt wird.

Musikalisch jedoch kann Prince kaum jemand das Wasser reichen. Er vereint alle nur erdenklichen Einflüsse, von Miles Davis über Marc Bolan und Jimi Hendrix bis hin zu James Brown und Stevie Wonder reicht die Palette. Hin und wieder borgt er sich auch mal ein Riff aus der rustikalen Welt des Hardrock aus. Prince formt aus diesen Zutaten seine ureigene musikalische Sprache, einen mit Paisleymustern durchsetzten universellen Soul, der lässig zwischen den Stilen umherschlendert. Prince klingt wie Prince. Dazu schreibt er Songs, die Millionen Menschen berühren. Zum Beispiel ›Purple Rain‹, eine XXL-Ballade, die ihre fein austarierte Balance zwischen Pomp und Poesie in neun feierlichen Minuten nicht für einen Moment verliert.

„Mit Millionen Fans betrauern Michelle und ich den plötzlichen Tod von Prince. ‚Ein starker Geist überwindet Grenzen‘, hat er einmal gesagt – niemandes Geist war stärker, mutiger und kreativer.“ (Barack Obama über Prince)

Mitte der 80er-Jahre gehört Prince neben Michael Jackson und Madonna zu den Big Three des Pop. Es scheint, dass er nichts falsch machen kann. Singles wie ›When Doves Cry‹, ›Rasp­berry Beret‹, ›Sign O’ The Times‹ und ›Kiss‹ belegen vorderste Chartsplätze in aller Welt und Alben wie PURPLE RAIN, PARADE und SIGN O’ THE TIMES festigen seinen Ruf als schrillbunt leuchtenden Genius.

Zu Beginn der 90er-Jahre aber hat sich ein unüberbrückbarer Graben zu Warner aufgetan. Die Firma will den Erfolgssänger in eine starre Veröffentlichungs- und Vermarktungspraxis zwingen.

1993 legt Prince offiziell seinen Namen ab, ersetzt ihn durch ein unaussprechliches Symbol und malt das Wort „Slave“ auf seine Wange. Er veröffentlicht weiter Musik bei Warner, gerät aber kommerziell zusehends ins Abseits. Als der Plattenvertrag 1999 ausläuft, nutzt Prince verstärkt das In­­ternet und vertreibt Platten gelegentlich auch als Beilagen in Tageszeitungen. 2004 gelingt ihm mit MUSICOLOGY ein Comeback. Sein musikalisches Spektrum erweitert er nun kontinuierlich, gründet mit dem Frauentrio 3rd Eye Girl aber auch eine neue Band, die nahtlos an den kosmopolitischen Funk seines ehemaligen Ensembles The New Power Generation anknüpft.

Während seiner „Piano & A Micro­phone“-Tour kommt es am 14. April 2016 zu einem Zwischenfall: Nach zwei Konzerten im Fox Theatre in Atlanta, Georgia, muss sein Privatjet auf dem Rückflug in Moline, Illinois zwischenlanden. Prince wird bewusstlos in eine Klinik gebracht. Zuvor hatte er verschiedene Schmerzmittel eingenommen, von denen er wegen anhaltender Knie- und Hüftprobleme längst abhängig ist. Nach kurzer Behandlung verlässt er das Krankenhaus gegen den Rat der Ärzte. Nur eine Woche später, am 20. April, ruft sein Management den kalifornischen Arzt Howard Kornfeld aufgrund eines „schweren medizinischen Notfalls“ nach Chanhassen. Kornfeld schickt seinen Sohn Andrew, einen Medizinstudenten. Am nächsten Morgen dann finden die Paisley-Park-Mitarbeiter Prince leblos auf. Kornfeld alarmiert sofort den Rettungsdienst – zu spät, Prince ist bereits seit etwa sechs Stunden tot. Wenig später erledigt Sheriff Jim Olsen seine traurige Pflicht.

Am 2. Juni wird der Obduktionsbe­richt veröffentlicht: Fremdverschulden und Selbstmord werden darin ausgeschlossen. Todesursache ist eine Überdosierung des Schmerzmittels Fentanyl, die Prince offenbar versehentlich vorgenommen hatte. Bei einer Hausdurchsuchung wird das Medikament gefunden – allerdings in der Verpackung eines anderen, weniger starken Mittels. Ob Prince wusste, was er einnahm, bleibt ungeklärt. Wie sang er ›1999‹: „Life is just a party and parties weren’t meant 2 last“…

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